Stürmische Zeiten auch ohne Wind

Melbourne liegt hinter uns, auch unser erster nächtlicher Autobahnparkplatz (war nicht lauter als am Meer und Frida und Lina konnten ganz viele Autos schauen😉) und wir sind auf der Great Ocean Road angekommen. Wir wurden mit einem tollen nächtlichen Stellplatz verwöhnt mit Blick aufs Meer und auf den aufgehenden Vollmond! Schon der Nachmittagskaffee hatte Ausblick auf rote Felsklippen! Wie wunderbar!

Die Temperaturen sind mittlerweile deutlich kühler,vor allem nachts. Wir haben alle 4 Schlafsäcke ausgepackt, etwas dickere Klamottis gekauft und ich freue mich riesig über mein einziges Paar Wollsocken, das ich dabei hab!

Da wir zwischendrin schon ziemlich wechselhaftes und stürmisches  Aprilwetter hatten, nimmt die Zeit, die wir in unserem Camper verbringen, etwas zu. Aber es ist so, als ob wir langsam besser reinpassen würden, als ob wir nicht mehr so viel Platz bräuchten oder als ob wir kleiner geworden wären. Wir hatten nun schon einige gemütliche Nachmittage oder Vormittage in unserem kleinen Zuhause!

Wir haben auch wieder viel neues im „Gepäck“: Zwergpinguine, die zum Sonnenuntergang aus dem Meer in ihren Bau watscheln (Pinguine müssen ein ziemliches anstrengendes Leben haben, finden wir: tagsüber schwimmen sie etliche Kilometer im Meer, suchen sich Fische, müssen im Dunkeln heim, oft noch einen Hügel hoch, die Federn austrocknen, schlafen und dann vor Sonnensaufgang wieder ins Meer), da haben es die Seelöwen schon besser-liegen in der Sonne oder die Koalas, die mehr als die Hälfte des Tages schlafen. Es begleiteten uns auch viele Wallabies,  bunt gefärbte Papageien, ein Wombat (da hoffe ich noch darauf mehr von denen zu sehen), Australische Graugänse, Trauerschwäne, Pelikane, Echidna (Igeltiere) …

Und hier einen Einblick in das prägende Campingdasein:

Lina sitzt auf einem Treppengeländer und sagt: „Wie ein Plumpsklo und dann kackt man runter…“

Und weitere Dialoge:

Lina und Frida sitzen im Auto vorne und schauen auf die Straße und Baustelle.  (hier in Australien gibt es übrigens kaum Baustellen-Ampeln, dafür aber  von uns so genannte Ampelmänner: eine Person , die ein rundes Schild in der Hand hält mit Stop und auf der anderen Seite Slow und damit den Verkehr regeln). Lina zu Frida: „magst du später, wenn du groß bist, mal ein Ämpelman werden?“

Lina und Frida sind beim ins Bett bringen noch so wild und es übersteigt unser räumliches Dasein und unsere Geduld. Lina zu mir: „Mama, Kinder sind so! Und meine Puppi kriegst du nicht!“

Frida sitzt beim Frühstück auf meinem Schoß und schmiert meine Hose mit ihren  Nutella-Patschehändchen voll, ich werde ziemlich sauer, da ich die Hose grad frisch  angezogen habe und versuche die Flecken rauszuwaschen. Frida zu mir: „geht doch eh nicht raus!“

Ja, wir haben eine gute Zeit zusammen!

 

Stürmisch war es für Olaf und mich. Wir stellten uns die wesentlichen Fragen, warum wir reisen, wenn es doch auch anstrengend wird (es ist was anderes als Urlaub) und was das Reisen für jeden von uns ausmacht. Auch stellte sich uns die Frage, mit wem wir hier eigentlich reisen. Wer ist derjenige, mit dem ich nun durchweg meine Zeit verbringe. Wir sind nicht mehr die beiden, die ihre Zeit nur auf dem Rad, in den Bergen, möglichst immer sportlich unterwegs verbringen, ehrgeizig einem TransAlpZiel hinterher rasen. Wer sind wir denn eigentlich jetzt? Unseren äußeren Rahmen oder Raum haben wir ja hinter uns gelassen, unausgesprochene Probleme sind treu ins Reisegepäck geschlichen. Nun stehen wir vor uns und müssen uns doch auch erst wieder finden. Zeit genug haben wir!

Ein Kommentar zu „Stürmische Zeiten auch ohne Wind

  1. „Auch stellte sich uns die Frage, mit wem wir hier eigentlich reisen. Wer ist derjenige, mit dem ich nun durchweg meine Zeit verbringe. Wir sind nicht mehr die beiden, die ihre Zeit nur auf dem Rad, in den Bergen, möglichst immer sportlich unterwegs verbringen, ehrgeizig einem TransAlpZiel hinterher rasen. Wer sind wir denn eigentlich jetzt? Unseren äußeren Rahmen oder Raum haben wir ja hinter uns gelassen, unausgesprochene Probleme sind treu ins Reisegepäck geschlichen. Nun stehen wir vor uns und müssen uns doch auch erst wieder finden.“

    Liebe Lena,
    Du beschreibst ganz wunderbar und mutig, was nicht vielen Paaren bewußt wird nach 5 Jahren Kinderfokus: Die Veränderungen von uns selber und unserer Partner anzuschauen und die Kraft haben, sie zuzulassen, uns die Unterschiede zuzumuten, nach den vielen Jahren des Verliebtseins (…wie sind wir uns ähnlich!) und des freudetrunkenem Elternseins (….Erst die Kinder, dann alles andere!).

    Und wie schön, ja, ihr habt die Zeit ohne Hamsterrad euch wieder Kennenzulernen!

    Gestern musste ich an euch denken, aber nicht, dass ich meine, Euch geht es so, vielmehr dass es mir so ergangen ist, wenn ich an mich an so manche „Reise“ zurückerinnere…

    Bertolt Brecht
    Der Radwechsel

    Ich sitze am Straßenhang.
    Der Fahrer wechselt das Rad.
    Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
    Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
    Warum sehe ich den Radwechsel
    mit Ungeduld?

    Wir freuen uns schon heute auf unser Wiedersehen! Habt weiter viel Freude und Klarheit!

    Gibt es in Australien auch Osterhasen? Oder machen das die Kangurus?

    lg Heiko & Christine & Mathlda & Charlotta

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