So nah und manchmal doch so fern …

Im Wohnmobil mit 7,2m Länge kann man sich ja nicht sehr weit von einander entfernen. Man ist zusammengeschweißt (andere würden sagen eingepfercht 😉) auf engem Raum und auch unsere Tagesgestaltung bedingt, dass wir fast überwiegend alle beisammen sind.

Das ist manchmal ein Problem. Ich spüre, dass ich öfter mal Zeit für mich bräuchte und Möglichkeiten, mich zurückzuziehen bzw. mal nur für mich zu sein. Das ist aber gar nicht so einfach und bedarf immer gleich Planung, Absprachen und Bereitschaft des Rests der „Mannschaft“ – also besser „Frauenschaft“.

Und manchmal ist der Grund für den Wunsch nach Privatsphäre genau die kontinuierliche Nähe im Camper. Damit kommen Konflikte, unterschiedliche Standpunkte, persönliche Unzulänglichkeiten schonungslos direkt und schnell an die Oberfläche – ohne große Verzögerung, ohne Ausweichmöglichkeit, weil man sich nicht sieht, wie es im Berufsalltag zuhause oft war.

Und dann müssen wir unsere Konflikte angehen. Sofort, sonst wachsen Sie uns über den Kopf. Aber dabei stelle ich eben auch immer wieder fest, dass wir uns zwar räumlich sehr nahe sind, aber in manchen Empfindungen, Herangehensweisen und Einschätzungen oder auch in Gefühlen für den Partner sehr weit auseinander liegen können: So nah und manchmal doch so fern …

Das macht das Reisen neben dem alltäglichen Planen des Programms, des Weiterfahrens und Wiedereingewöhnens in einer neuen Umgebung so anspruchsvoll und auch manchmal anstrengend. Wir reisen nicht nur durch ferne fremde Länder, sondern zusätzlich jeden Tag auch durch neue Täler und Gipfel in unserer Beziehung und auch der Beziehung zu den Kindern.

Manchmal sitze ich im Auto neben Lena, aber bin fern in einer eigenen Gedankenwelt: ich fühle mich Lena fern, weil wir trotz physischer Nähe es nicht geschafft haben, auch emotionale Nähe herzustellen. Und das belastet mich und macht mich auch traurig. Trotzdem ist es oft sehr schwer für mich, über meinen Schatten zu springen, mich ihr zu öffnen und auf sie zuzugehen.

Aber die physische Nähe lässt kein langes Aussitzen zu. So findet sehr schnell und letztendlich jeden Tag ein Stück Beziehungsarbeit statt. Anstrengend, aber auch bereichernd.

Und die Reise wird uns lehren, was es uns am Ende bringt … 😊

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